Hurra! Hurra! Man lebt ja nur einmal
Die Csardasfürstin

Hurra! Hurra! Man lebt ja nur einmal

Hurra! Hurra!
Man lebt ja nur einmal!
Und einmal ist keinmal!
Nur einmal lebt man ja!
Hurra! Hurra!
Zum lachen und scherzen,
Zum küssen und herzen,
Hurra! - sind wir ja da!
Nur du! Nur du!
Schwört jeder immerzu!
Man girrt und schnäbelt,
Süss benebelt,
Nutzt die flüchtige Zeit, die goldene!
Drum tanz’, mein Lieber,
Eh’s vorüber!
Heut’ ist heut’

Liebster, du girrst ja!
Liebster, du schwirrst ja!
Rassig, spassig, wie nie!

Hui! Wie dir die Augen blitzen!
Stolz bin ich, dich zu besitzen!
Mandulein, gib mir noch einen Kuss!
Tritt mir doch nicht auf den Fuß!

Ach, wie hast du heut’ mich berückt!
Nie, hast du mich so süß entzückt!
Ach, wie selig und reich ist der Mann,
Der dich besitzen einst kann!
Ach, bist du heut’ zärtlich zu mir!
Ach, wonnig zerfließ’ ich ja schier!
Wenn der Himmel kein Wunder bald tut,
Geh’ ganz und gar ich kaput!

Hurra! Hurra!
Man lebt ja nur einmal!
Und einmal ist keinmal!
Nur einmal lebt man je!
Hurra! Hurra!
Zum lachen und scherzen,
Zum küssen und herzen,
Hurra! - sind wir ja da!
Nur du! Nur du!
Schwört jeder immerzu!
Man girrt und schnäbelt,
Man girrt und schnäbelt,
Süß benebelt,
Nützt die flüchtige Zeit, die goldene!
Drum tanz’ , mein Lieber,
Eh’s, vorüber!
Heut’ ist heut’!
»Mag die ganze Welt versinken ...« - Emmerich Kálmáns Operette »Die Csárdásfürstin« und der Erste Weltkrieg

Uraufgeführt wurde Die Csárdásfürstin von Leo Stein und Béla Jenbach, Musik von Emmerich Kálmán am 17. November 1915 im Wiener Johann -Strauß -Theater. Sie sollte die Operette des Ersten Weltkrieges werden.

Diese Operette besteht aus drei Akten, wobei der erste Akt vor Kriegsbeginn konzipiert wurde. Auf die Gesangstexte, für die Béla Jenbach verantwortlich war, wirkte sich dies deutlich aus. Kálmán komponierte den zweiten Akt im Sommer 1915 in Bad Ischl, und zwar in jener Rosenvilla, in der auch schon Meyerbeer, Brahms und Léhar arbeiteten.

Die Operette Die Csárdásfürstin reflektiert indirekt mit ihren eigenen Mittel den Ersten Weltkrieg. Dies gilt sogar ansatzweise für den ersten Akt, wenn in dem bekannten Marschlied »Die Mädis von Chantant« die politische Krisensituation vor dem Kriegsbeginn im Sommer angedeutet wird: »In der trauten Atmosphäre, Wo man tanzt und küsst und lacht, Pfeif' ich auf der Welt Misere, Mach' zum Tag die Nacht!«

An Jenbachs Texten lässt sich besonders im zweiten und dritten Akt sehr gut der Hauch von Melancholie und Abschied dieser Operette vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges feststellen. Die Verliebten Edwin und Sylva singen im Duett: »Ja, das waren traute Zeiten, Sie sind für immer nun vorbei! Wie liegen diese Seligkeiten, Ach, so weit! Ach, gar so weit! Weißt du es noch? Denkst du auch manchmal der Stunden? Süß war der Rausch, Der uns im Taumel umfing! Weißt du es noch, was wir beseligt empfunden? Weiß du es noch? Weißt du es noch? War auch nur flüchtig der Traum, Schön war er doch! [...] Von dem Glück, das wir erstrebten, Verbleibt uns die Erinnerung kaum, Und alles, was wir einst erlebten, War ein Traum! War nur ein Traum.« Der Erste Weltkrieg markierte das Ende des bürgerlichen Zeitalters, diese Ära wurde endgültig zerstört. Dies gilt auch für das Herrschergeschlecht der Habsburger, eine Monarchie, die seit 1273 (!) ununterbrochen regierte, wurde mit dem Kriegsende 1918 entmachtet.

Die Vergänglichkeit des Lebens, ein Thema, das vor allem in Kriegszeiten durch die Allgegenwart des Todes virulent wird, klingt deutlich im Quartett der beiden Liebespaare (Edwin und Sylva sowie Boni und Stasi) an: » Hurra! Hurra! Man lebt ja nur einmal! Und einmal ist keinmal! Nur einmal lebt man ja! Hurra! Hurra! Zum lachen und scherzen, Zum küssen und herzen, Hurra! - sind wir da! Nur du! Nur du! Schwört jeder immerzu! Man girrt und schnäbelt, Süß benebelt. Nützt die flüchtige Zeit, die goldene! Drum tanz', mein Lieber, Eh's vorüber! Heut' ist heut'!«

Diese mitunter morbide Stimmung wird im dritten Akt fortgesetzt, so deutlich wie in keiner anderen Operette. Im Terzett (Feri, Sylva und Boni) singt zunächst Feri: »Nimm, Zigeuner, deine Geige, Lass seh'n, was du kannst! Schwarzer Teufel, spiel' und zeige, Wie dein Bogen tanzt! Spiel' ein Lied, das weint und lacht, Spiele, bis der Bogen kracht, Spiele, bis heranbricht hell das Morgenrot, Spiele, Betyar, schlage mir die Sorgen tot! Jaj mamán, Bruderherz, ich kauf mir die Welt! Jaj mamám, was liegt mir am lumpigen Geld! Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht, Ob es morgen nicht schon spät!«

Und Boni ergänzt höchst treffend: »Ganzes Dasein ist ein Schmarren! Freunderl, sei gescheit! Heute über fünfzig Jahren Leben andre Leut'! Dieses ganze Jammertal Ist für mich ein Nachtlokal. Überhaupt fahr' ich in Himmel vorderhand Und verkaufe, wenn gefällig, mein Gewand. [...]«

Gerade angesichts menschlicher Erfahrungen von Tod und Vergänglichkeit im Schatten des Ers ten Weltkrieges, entwickelt die Operette Die Csárdásfürstin eine lebensbejahende Vitalität. Musikalisch tragen dazu vor allem die bekannten, schwungvollen Walzer und der Csárdás des Komponisten Kálmán bei. Vermutlich liegt gerade darin der sensationelle Erfolg dieser Operette. Bis zum Mai 1917 hielt die Begeisterung des Wiener Publikums in insgesamt grandiosen 533 Ensuiteaufführungen an.

Groß war der Erfolg (mit akrobatischen Revueeinlagen) auch in Berlin im Metropoltheater am Nollendorfplatz. Dort glänzte Fritzi Massary in der Rolle der Sylva, ein wichtiger Sprung in ihrer Karriere.

Der Erste Weltkrieg bedingte, dass sich der Erfolg dieser Operette auf die Musiktheater im Bereich der Mittelmächte und neutraler Staaten konzentrieren musste. In London gelangte die Gipsy Princess erst 1921 auf die Bühne, in Paris 1930. Die Ausnahme bildeten die USA. Hier brachte das New Amsterdam Theatre in New York im Herbst 1917 das Stück heraus, freilich, durch den Kriegseintritt der USA, leicht verändert. Die Handlung wurde von Budapest nach Monte Carlo verlegt, und aus derCsárdásfürstin wurde The Riviera Girl. Der Erfolg muss jedoch als sehr bescheiden eingestuft werden, denn nach nur 78 Vorstellungen wurde die Operette abgesetzt.

Die Operette Die Csárdásfürstin stellte sich nicht in den Dienst der Propaganda der Habsburger Monarchie. Kriegsbegeisterung, Pathos, Nationalismus, Feindbilder und Völkerverhetzung fehlen völlig - immerhin, für ein Stück mitten im Ers ten Weltkrieg ist dies beachtlich.

Stattdessen erscheint im berühmten Walzerduett »Tanzen möcht' ich, jauchzen möcht' ich« die Liebe als Antwort auf die Apokalyptik des Krieges: »Mag die ganze Welt versinken, hab' ich Dich.«